Heiße Sache: Zeitung machen – ein Tag in der tz

Zeitung machen, tz machen. Arbeit unter Hochdruck, Arbeit, die süchtig machen kann. Manchmal Adrenalin pur und der tollste Job der Welt – finden zumindest wir Zeitungsmacher.
Zeitung machen, tz machen. Heißt: das Beste herausholen aus der ganzen Stadt, der ganzen Region, der ganzen Welt, im Dienst der Leser, montags bis sonntags, jeden Morgen wieder

Jeden Morgen, 9.30 Uhr ist bei uns Morgenkonferenz. Die Ressortleiter und die Chefredaktion, schon seit mindestens einer Stunde am Materialsichten, treffen sich – bei schwarzem Kaffee. Zur Blattkritik und zu den Themenvorschlägen für die nächste Ausgabe.

tz München Morgenkonferenz 2016
Die Morgenkonferenz: Planung der neuen Ausgabe.

Für das Lokalressort gibt es heute einen ganz »heißen« Schlagzeilen- Kandidaten an diesem brütenden Julitag: das Wetter! Zugegeben: ein Klassiker, aber was für einer! Die Hitze ist das Gespräch der ganzen Stadt! Doch wie das Thema aufbereiten? Lokalchefs und Chefredakteur Rudolf Bögel suchen mit kühlem Kopf eine zündende Idee. Irgendwo zwischen 32 und maximal 33 Grad im Schatten sollen es werden am Wochenende! Also: Was wäre geeigneter als maximal 33 möglichst erfrischende und sinnstiftende Ausflugs- Tipps der Redaktion fürs anstehende Wochenende? Gemacht: Jetzt packen alle an. Ein Tipp pro Redakteur. Zusammentragen, sichten, sammeln, grafisch ansprechend gestalten. Der Stoff für eine Doppelseite

Die Society, also unsere Klatschreporter (noch mit Augenringen), planen einen Bericht zum Start des Filmfests München: Berichte vom roten Teppich, vom offiziellen Eröffnungsprogramm und natürlich der Party… Außerdem: Regisseur Oliver Hirschbiegel im tz-Porträt. Und: TV-Star Sascha Hehn hat ein Neue.

Die Münchner Kultur: berichtet über 30 Jahre lebende Kleinkunst und Skulpturen im Münchner Botanikum. Dann ist Dirigent Kent Nagano wieder in München. Ex-Fußball-Star und Neu-Musiker Mehmet Scholl im Interview zu seinem Programm aus der berühmten Lach- und Schießgesellschaft

Die Seite »Essen & Trinken« bietet ein Feature zum neuen Megatrend »Burger ohne«: vegetarische und vegane Schmankerl erobern München. Arbeitstitel: »Es geht auch ohne Fleisch«

Und der Bayernteil hat eine Meldung der Polizei in Kufstein dabei: Ein bayrischer Wanderer ist am gerade erst wiedereröffneten Kaiserlift abgestürzt! Ein Bundesligaarzt, der zufällig im Lift war, hat erste Hilfe leistet. Wo kriegt man jetzt die aktuellsten Fotos vom Brentenjoch im Kaisergebirge her? Haben wir einen Kollegen in Kufstein, den wir anrufen können? Müssen wir selber hin? Ist das Opfer ein Münchner? Der Arzt gar der Doc vom FC Bayern? Alles ist möglich.
Und der Sport greift ein großes Diskussionsthema auf: »Bundesliga montags?« Neue Anstoßzeiten in der Deutschen Fußball-Liga. Zweites großes Exklusivstück: in der Leistungsdiagnostik mit den Bayern-Stars: Schwitzen, rennen, radeln und Pulsmessen in der Ausdauerkammer.

Jeden Tag, ab 11 Uhr geht es weiter. Schlag auf Schlag. Die ersten Ressortleiter gehen mit vorbereiteten Geschichten und Bildern ins Layout, dem Herzstück jedes Boulevardblattes. Wir leben ja vom gelungenen Zusammenspiel von Bilder, grafischen Elementen und Texten. Erst beides zusammen ist die Information. Die je nach Anlass auch emotional-packend sein darf. Bei uns menschelt es. Reporterarbeit: Recherchieren, telefonieren, Notizen machen. Ausschwärmen und zurückkehren. Unsere Polizei- und Gerichtsreporter, Lokalredakteure und Fotografen sind auf Außenterminen. Aktuelles Arbeiten eben. Tagesgeschäft: halbe Stunde hin, eine Stunde auf Termin, halbe Stunde zurück, zwei Stunden Recherchen, Archivmaterial durchlesen und telefonieren. Stimmen alle Fakten? Sind alle Zitate ordentlich gekennzeichnet, Stimmt der Wortlaut? Jetzt fertig schreiben.
Der Chef g e s t i k u l i e r t schon…

13.30 Uhr: Die Schlagzeilenkonferenz geht kurz und knapp. Jeden Mittag um 13.30 Uhr. Ein 20-Minuten-Brainstorm der Ressortleiter im Sprint. Was ist neu? Das Wichtigste im Schnelldurchlauf: Die Bayern-Redakteure melden, der abgestürzte Wanderer war doch nicht aus München, der Bundesliga-Arzt »nur« vom VFB. Die Geschichte immer noch gut, wir bekommen auch alle Bilder von der Rettung. Aber mehr wird sie jetzt nicht … Und die Schlagzeile? Rasch zeigt sich: Es gibt heute wirklich nur ein beherrschendes, »heißes« Thema.

tz München Rudolf Bögel und Sebastian Raab
Tägliche Königsetappe: Chefredakteur Rudolf Bögel und Layoutchef Sebastian Raab geben der Titelseite den Feinschliff

15.30 Uhr: Chefsache Nummer eins ist am Nachmittag. Wenn es so was gibt wie »konzentrierte Unruhe «, dann legt sie sich jetzt über die Redaktion. Chefredakteur Rudolf Bögel hat im Gewirr unseres Großraumbüros beim Cheflayouter seine Ruheinsel, denn: die Seite eins ist absolute Chefsache: Welche »Anrisse« müssen oben auf die Seite? Wie genau lautet die Formulierung der Schlagzeile? Schließlich hängt hiervon die Hauptsache ab: unser Verkauf. Verschiedene Versionen werden genau geprüft.

Der Endspurt: Ein Knistern liegt jetzt in der Luft. Greifbar. Alle Geschichten »laufen« jetzt. Die letzte Seite im Layout »aufgerissen«, die Bilder besorgt, die Texte weit fortgeschritten, einige fertig, manche noch offen. Während die ersten Redakteure schon befreit durchatmen, stehen die letzten noch unter Hochdruck. Hier ein Lachen. Da ein Laufschritt. Dort knallt ein Hörer auf die Gabel… Für ein paar wird es – wie jeden Tag – ein Herzschlagfinish.

Dann noch ein Schock kurz vor Redaktionsschluss. Volkmusikstar Slavko Avsenik ist gestorben, der Vater der Oberkrainer Volksmusik. Mit 85. In seiner Heimat Slowenien. Mit ihm geht ein Stück Musikgeschichte. Jetzt schnell reagieren… die Bildredakteurin besorgt rasch historische Fotos: Zeugen eines langen Lebens. Und wohin mit der Geschichte? In der Kultur wird fieberhaft Platz geschaffen. Der stellvertretende Chefredakteur: »Es muss unbedingt auch noch ein Erklär-Kasten dazu. Wo ist die Krain. Wo ist die Oberkrain? « – »Und der Slavko muss natürlich noch unbedingt mit auf die Eins.

tz München Zeitungen in Rotation
Die ersten von weit über 100.000 druckfrischen tz-Exemplaren.

16.30 Uhr – jetzt wird gedruckt! Die letzten Seiten sind weg… elektronisch zum Belichten geschickt, auf dem Weg in die Druckerei … gleich rattern die Maschinen los! Slavko Avsenik und der Dalai Lama haben es als Themenanrisse auf die Seite eins geschafft. Und hier prangen auch unsere »33 Tipps zu 33 Grad – wo wir von der tz das Wochenende verbringen«
Durchatmen. Bis zur Abendkonferenz in zwei Stunden, wenn die ersten druckfrischen tz-Exemplare bei uns eintreffen. Die ersten von zigtausend Exemplaren. Zur Endkontrolle und weiteren Besprechung.

tz München Redaktionskonferenz 2016
Die Abendkonferenz: Das Ergebnis des heutigen Redaktionstages wird von den Redakteuren noch einmal kritisch überprüft.

18.35 Uhr: Abendkonferenz . Wie sehen wir aus im Vergleich zur Konkurrenz? Was können wir in der Nacht noch verbessern? Gibt es grafische Patzer? Müssen wir Geschichten neu gewichten? Ganze Seiten umstellen? Fehler korrigieren? Haben wir gar irgendeinen groben »Klops« gelegt? Eine wichtige Geschichte übersehen? Müssen wir im Blatt Platz schaffen für Ereignisse, die erst in der Zwischenzeit nach dem ersten Redaktionsschluss bekannt wurden? Denn auch jetzt ist natürlich noch nicht Schluss. Jetzt übernehmen unsere Spätdienst-Kollegen… und auch für sie bleibt einiges zu tun übrig – in dieser Nacht, wie in jeder Nacht wird mit vielen Aktualisierungen weitergedruckt.

Und erst gegen 23 Uhr machen wir das Licht aus.

Bis morgen!

tz München Abendverkauf
Mit der druckfrischen tz unterwegs.

Fotos: Kruse (2), Bodmer (3), Jantz (2)